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Quiz über Business Process Management (BPM)

16.03.2007

Microsoft eröffnet den Prozessreigen

München (sk) – Durch die Partner, die Microsoft in seiner Allianz für das Business Process Management (BPM) um sich schart, wandelt sich der Ansatz des Softwareriesen grundlegend: Anstatt sich wie bisher auf die Entwicklergemeinde zu konzentrieren, adressiert er nun die Businessseite. Von enormem Vorteil ist dabei die Verknüpfung mit Office 2007.

Die Verknüpfung der Office-2007-Suite mit den BPM-Produkten bewerten Experten unisono als Differenzierungsmerkmal, mit dem sich Microsoft samt seinen Partnern vom Wettbewerb abgrenzt: „Da nahezu jedes Unternehmen die Bürosoftware von Microsoft einsetzt, wird dies zum entscheidenden Vorteil“, analysiert Andreas Gadatsch, Professor an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg. Ken Vollmer, Prinicpal Analyst bei Forrester, geht noch einen Schritt weiter: „ Künftig wird kein BPM-Anbieter mehr darum herumkommen, Office als Frontend für das Geschäftsprozessmanagement zu verwenden.“ Das betrifft selbst jene, die nicht auf Microsofts Dotnet-Rahmenwerk aufsetzen, sondern auf der Konkurrenztechnologie J2EE.

Vor allem bei Workflows, bei denen menschliches Handeln oder auch die Zusammenarbeit von Mitarbeitern im Mittelpunkt steht, ist die Verbindung zur Office-Suite von großem Vorteil: „Die Interaktionsmuster der Knowledge Worker als Prozessteilnehmer lassen sich damit gut in die Abläufe integrieren“, argumentiert Gartner-Analystin Janelle Hill. Ein Beispiel: Wird etwa ein Workflow zur Bewilligung von Anträgen entwickelt, lässt sich dort dynamisch ein Word-Dokument oder eine Excel-Tabelle generieren, wenn die Entscheidung eines Mitarbeiters gefordert ist. In einer integrierten Box gibt dieser sein OK oder seine Ablehnung, so dass der Prozess weitergetrieben werden kann.

Office gilt bei der Business Process Alliance als Frontend gesetzt, für das Backend hat Microsoft seine Windows Workflow Foundation (WF) sowie BPEL 2.0, den Webservices Standard für die Prozessorchestration, zur technologischen Basis erhoben. Das heißt, die Partner müssen ihre zum Teil proprietären Produkte zu dieser Infrastruktur migrieren, um den Anwendern volle Funktionalität im Zusammenspiel mit Microsofts Produkten im BMP-Umfeld – der Biztalk Server, Sharepoint, Infopath und Office – zu garantieren. Laut Gartner und Forrester verursacht dies auf Seiten der Partner noch eine Menge Arbeit. Sven Schnägelberger, Mitbegründer des Kompetenzzentrums für Geschäftsprozessmanagement in Köln, winkt jedoch ab: „Die meisten Partner haben ihre Produkte bereits auf Dotnet-Basis gestellt.“ Dazu gehört beispielsweise Fair Isaac, deren Managementsystems für Geschäftsregeln, Blaze Advisor, Dotnet sowohl als Entwicklungs- als auch als Ablaufumgebung unterstützt. Eine wesentlich tiefere Produktintegration erwartet Schnägelberger ohnehin nicht von der Allianz: „Das ist derzeit allerdings auch kein Nachteil, da auf dem Markt so gut wie keine voll integrierten BPM-Suiten existieren.“

Die für BPM wesentliche Komponente in der seit November verfügbaren Dotnet-Version 3.0 stellt zweifellos die Windows Workflow Foundation dar. Sie umfasst eine Workflow-Ausführungsengine und den Workflow Designer. Dieser läuft innerhalb von Visual Studio, der grafischen Entwicklungsumgebung, so dass Softwareentwickler Workflows kreieren, auf den neuesten Stand bringen und modifizieren können. „Das macht deutlich, dass sich Microsofts BPM-Ansatz bislang an die Kunden aus der Entwicklerszene konzentrierte“, erklärt Gartner-Expertin Hill.

Dass WF künftig auch BPEL 2.0 unterstützen soll, überrascht die Experten prinzipiell nicht: „Microsoft spricht schließlich schon seit der WF-Ankündigung im Herbst 2005 davon, so dass es eher verwundert, warum die Umsetzung so lange auf sich warten lässt“, schimpft David Chappell, ein Berater aus San Francisco. Der Vorteil der Kombination: Die Entwickler können Arbeitsabläufe auf den Weg bringen, die direkt als Standard-BPEL exportiert werden. Sie sehen diese allerdings im für sie üblichen WF-Schema, also als Dotnet-basierten Code und weniger als XML-basiertes BPEL.

Chappell: „Wie der heutige Biztalk-Server behandelt WF BPEL als einen Weg, um Prozesslogik zwischen verschiedenen Workflow-Engines hin und her zu schieben, nicht als Ausführungsformat oder gar als Entwicklungssprache.“ Aktuell, so beobachtet er, nutzen nur sehr wenige Unternehmen den Biztalk-Server im Verbund mit BPEL. Er ist sogar skeptisch, dass BPEL in Zukunft allgemein eine große Fangemeinde finden wird.

Ein Haken ist allerdings an der Microsoft-Strategie: Der derzeitige Biztalk Server unterstützt WF noch nicht. Erst das Release 2, das ab Herbst auf dem Markt verfügbar sein soll, wird somit wirklich fit sein für das Geschäftsprozessmanagement.
 
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