24.04.2007
Cordys gießt BPM und SOA in eine Struktur
Orlando – Eine mit 80 Millionen Dollar Finanzierungsgeldern
gut gefüllte Kriegskasse soll dem niederländischen Anbieter von Business Process Management Cordys
dabei helfen, Amerika und dann den Rest der Welt zu erobern. Cordys ist das geistige Kind von Jan
Baan von Baan Software, dem Standardsoftwarehersteller, für den vor etwa einem Jahrzehnt nach dem
Vorwurf finanzieller Unregelmäßigkeiten Schluss war. 2001 gründete und finanzierte Baan Cordys, um
von Grund auf eine vollständig integrierte BPM-Suite auf einer SOA-Infrastruktur
(Serviceorientierte Architektur) zu entwickeln.
Diese Software unterscheidet sich laut Jason Bloomberg von
Zap Think komplett von dem Wettbewerb in dem schnell wachsenden BPM-Markt. „Sie haben eine
ausgewachsene SOA-Infrastruktur mit BPM-Funktionalität entwickelt, und das ist sehr ungewöhnlich“,
erläutert Bloomberg. „Üblicherweise entwickeln Startups mit wenig Geld einen Teil und suchen sich
für den Rest Partner. Alternativ kaufen größere Unternehmen eine Reihe von Firmen und stöpseln dann
die verschiedenen Anwendungen zusammen.“ Cordys hingegen war von Anfang an mit Baans Mitteln
finanziell gut gerüstet, so der Analyst, und konnte so vom ersten Tag an das entwickeln, was die
Firma wollte – und dies sei das Ungewöhnliche daran.
In den drei Jahren, seitdem die Suite verfügbar ist, hat
Cordys mehr als 90 Kunden gewonnen. Laut Mark Olsen, Vice President für die Client-Software, ist
die Suite vor allem in Branchen wie Finanzdienstleistung, Fertigung sowie Telekommunikation
gefragt. Die neuen 67 Millionen Dollar Finanzmittel von Argonaut Private Equity sowie die weitere
Investition von Baan selbst will der Hersteller nutzen, um schnell groß zu werden, sagt Olsen. „
Entweder wächst man schnell, oder man lässt es gleich bleiben“, stellt er fest. „Für einen kleinen
Anbieter ist es sehr schwer, eine kritische Masse aufzubauen, und ohne der verwendet man seine
ganze Kraft darauf, sich zu beweisen anstatt Umsatz zu machen.“
Einer Produktanalyse des BPM-Beratungsspezialisten Bruce
Silver Associates zufolge bringt die Technik einige Wettbewerbsvorteile mit sich. Nach Meinung des
Beraters liefere das Composite Application Framework eine ungewöhnliche Kombination aus
transaktionsbezogenem BPM auf einer echten SOA-Infrastruktur, einschließlich einem Enterprise
Service Bus (ESB) und einem geschäftsorientierten Designansatz, der durch BPM-Prozessmodelle
bestimmt wird. Laut Silver gibt es viele Lippenbekenntnisse zu SOA, und Cordys sei einer der
wenigen Anbieter, die tatsächlich lose gekoppelte Dienste implementieren. Die Software
unterscheidet logische SOAP-Knoten (Simple Objects Access Protocol) von physikalischen
Service-Endpunkten und nutzt den ESB, um diese zu verbinden.
Auch in einem weiteren Punkt unterscheidet sich Silver
zufolge die BPM-Suite von anderen auf SOA-Architekturen aufsetzenden Produkten. In einer SOA
besteht die übliche Bottom-up-Methodologie darin, Geschäftsprozesse erst dann zu erstellen, wenn
die Services, die BPM orchestriert, vorhanden sind. Cordys hingegen nutzt ein Top-down-Modell, in
dem das Prozessdesign mit der Orchestrierung abstrakter Aktivitäten startet, die dann später mit
den Serviceimplementierungen gelinkt werden können.
Der Cordys-Mann Olsen glaubt, der wichtigste Unterschied der
eigenen BPM-Software liege darin, dass die Komplexität des Systems vor den Geschäftsanwendern durch
eine einfach zu verstehende Schicht versteckt ist. Diese erlaube es den Anwendern, zusammengesetzte
Anwendungen auf der Grundlage von ausführbaren grafischen Geschäftsprozessmodellen zu erstellen.
John Sterlicchi/pk
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