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27.04.2007

Vitria setzt auf SOA-fähige Integrationslösung

Vitria hat seine bisherige Integrationsplattform runderneuert: Die bis dato proprietären Schnittstellen sind laut Hersteller dank J2EE-Standard nun "ready for SOA". Zusätzlich öffnet sich das Unternehmen für Open-Source-Komponenten.

Von Bernd Seidel , 27. April 2007

Quelloffene Produkte - speziell im Bereich Integration, Application Server, Datenbanken und Messaging - erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Diesem Trend konnte auch Vitria, Anbieter von Software zur Business Process Integration, nicht länger widerstehen. Die Company ist neben Tibco einer der wenigen unabhängigen Anbieter von Integration und Prozess-Management-Lösungen, die am Markt übriggeblieben sind. Konkurrent Webmethods wird, sofern die Behörden mitspielen, bei der Software AG einen sichereren Hafen finden.

Mit gut 52 Millionen Dollar Jahresumsatz zählt Vitria im Vergleich zu Schwergewichten wie IBM, BEA und Oracle zu den kleineren Firmen im Markt für Infrastruktursoftware. Seit März dieses Jahres ist das Unternehmen nicht mehr an der Börse notiert, "um mehr Freiheit für die Entwicklung zu bekommen", wie es Thomas Egeling, Senior Sales Consultant von Vitria, gegenüber ZDNet ausdrückt. "Umso wichtiger war es für uns, die bestehende Lösung, auf den Java-Standard zu bringen und SOA-fähig zu machen, was eine einfachere Integration von Drittsoftware erlaubt." Insbesondere die Kopplung von Infrastrukturbasiskomponenten wie Application Server, Repositorys, Identity Management und Messaging ist damit gemeint, denn die hat Vitria nicht selbst im Angebot.

Bei vielen Kunden - in der Regel Großunternehmen wie Banken und Telekommunikationsanbieter - habe der Anbieter in der Vergangenheit zunehmend Schwierigkeiten gehabt, seine propriertäre Lösung zu verkaufen. "Bei unseren Kunden gibt es keine homogene IT-Welt. Sie wollen beispielsweise ihre Application Server von IBM, Bea oder Oracle weiter einsetzen. Auf diese Lösungen können sie dank der SOA-Fähigkeit nun unser Prozess-Management und die Prozess-Modellierung draufsetzen. Das war bisher nur sehr schwer möglich", so Egeling.

Mit dem Business Accelerator steht nach Egelings Worten eine infrastrukturunabhängige SOA Integration Suite bereit. Sie stelle Funktionen und Werkzeuge für eine Abstimmung von Geschäftszielen und IT-Infrastrukturen zur Verfügung. Anwender könnten damit Business-Process-Integration-Software, Web-Services, Events und vorhandene unternehmenskritische Applikationen, aber auch manuelle Workflows integrieren. Der Hersteller verspricht damit, Anforderungen etwa für die SOA-Governance (Einhaltung von Standards und Vorschriften), für das Business Process Management (Orchestration und Workflows) und für die technische Integration (Adapter) abdecken zu können. Für letzteres bietet Vitria unter anderem Partnerlösungen von Amberpoint, Iway sowie Jboss/Red Hat mit an.

Jboss als Application Server

Die Entwicklungs- und Modellierumgebung von Business Accelerator nutzt die Tools und Werkzeuge des Open-Source-Frameworks Eclipse. Die damit erstellten Lösungen arbeiten laut Hersteller mit allen gängigen J2EE-Application-Servern und Messaging-Plattformen zusammen. Hier kommt nun auch Open-Source ins Spiel: Da Vitria im Vergleich zu den großen Anbietern über keinen eigenen Application Server verfügt, wird Business Accelerator standardmäßig mit Jboss als Application Server ausgeliefert.

Business Accelerator ab sofort in zwei Versionen verfügbar: ESB Edition und Process Edition. Die ESB-Ausführung soll Anwendern einen einfachen Einstieg in SOA ermöglichen und enthält einen Enterprise Service Bus (ESB). Die Business Accelerator Process Edition bietet darüber hinaus Features für komplexere Anforderungen. Sie unterstützt beispielsweise persistente Prozessvariablen und verfügt über Business-Process-Management-Funktionen zur Steuerung lang laufender Geschäftsprozesse.

Mit dem "Resolution Accelerator" liefert das Unternehmen zudem eine Software für das Exception Handling in serviceorientierten Architekturen. Als zentraler Service innerhalb einer SOA soll die Software sowohl technisch als auch fachlich bedingte Ausnahmen in Prozessen auflösen. Dazu gehören etwa Ausnahmefälle, die zu Unterbrechungen in Geschäftsprozessen führen. Neu in der Version 3.0 ist laut Vitria-Manager Egeling die Funktion "Mass Repair": Damit lässt sich in einem Anlauf das mehrfache Vorkommen eines Problemfalls beheben.

Grafische Benutzeroberfläche

In einer grafischen Benutzeroberfläche können Anwender unternehmenskritische Geschäftsprozesse überwachen und analysieren. Indem Resolution Accelerator Ursachen und Hintergründe von Ausnahmesituationen in Geschäftsprozessen aufgreift, liefert die Software Hinweise zur Verbesserung von Geschäftsprozessen. Darüber hinaus enthält der Resolution Accelerator regelbasierende und metadatengesteuerte Dictionaries. Sie sollen Anwendern beim Aufspüren und der Klassifikation von Fehlerfällen helfen, zur einer schnelleren Beseitigung von Fehlern beitragen. Als SOA-Applikation läuft Vitria Resolution Accelerator 3.0 auf jedem J2EE-Application-Server und ist ab sofort verfügbar.

Mit der SOA-Suite konkurriert Vitria sowohl mit klassischen Herstellern von Integrationssoftware, darunter IBM, BEA oder Tibco, als auch mit spezialisierten ESB-Anbietern wie Sonic, Cape Clear oder Iona. Für die ESB Edition des Business Accelerator berechnet Vitria 15.000 Dollar pro CPU. Die Process Edition, welche auf den ESB-Funktionen aufsetzt, schlägt mit rund 40.000 Dollar zu Buche. Zusammen mit dem Resolution Accelerator, der die Infrastruktur der SOA-Suite nutzt, kostet das komplette Paket 50.000 Dollar je Prozessor.

Vitria hofft, mit diesen Paketen künftig zusätzlich Kunden aus dem mittleren und gehobenen Mittelstand gewinnen zu können.

 
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