20.06.2009
Business Process Management: Studie zeigt Nachholbedarf in Sachen BPM
Von Prof. Dr.-Ing. Reinhard Mayr, ICP-Beratung
Wie systematisch setzen Unternehmen auf kontinuierliche Verbesserung? Existieren
Reifegradmodelle für Prozesse oder für´s Gesamtunternehmen? Wird Business Process Management (BPM)
tatsächlich gelebt? Eine aktuelle Studie ergab ein überraschendes Ergebnis: Die kleinen Unternehmen
handeln konsequenter als die großen!
Zeit, Kapazität und Geld sparen – das wollen alle Unternehmen, erst Recht in der aktuellen
Wirtschaftssituation. Voraussetzung dafür sind schlanke Geschäftsprozesse. Doch wie konsequent
bemühen sich Unternehmen um mehr Effektivität. Aufschluss darüber gibt eine aktuelle Studie des
Instituts für Produktion an der Fachhochschule Köln in Zusammenarbeit mit der Leverkusener
Unternehmensberatung ICP. Befragt wurden 47 kleine, mittelständische und Groß-Unternehmen der
Automobilbranche, wie sie es mit der Beschreibung, Durchführung und Verbesserung ihrer
Geschäftsprozesse halten.
Interessanterweise setzen die Mittelständler stärker auf Business Process Management (BPM) als
die Konzerne. Insbesondere in der Produktion werden die Unterschiede deutlich: Während nur 77% der
befragten Konzerne in der Produktion auf BPM setzen, sind es 92% der mittelgroßen Unternehmen. Auch
in den Bereichen Beschaffung, Vertrieb und Innovation schneiden die Konzerne schlechter ab als die
Mittelständler, die hier nach eigenen Angaben zu 100% schlanke Prozesse verfolgen, indem sie
BPM-Verfahren wie zum Beispiel Flusspläne, ereignisorientierte Prozessketten (EPK´s)
verwenden.
Die Gründe, weshalb sie BPM nutzen, unterschieden sich abhängig von der Unternehmensgröße. Den
kleinen geht es primär um das Eliminieren unnötiger Prozessfolgen und um eine transparente
Darstellung von Prozessen. Nur 25% von ihnen betrachten eine Kostensenkung als Hauptnutzen. Für die
mittleren Unternehmen sind Durchlaufzeiten, Qualitätsverbesserung und das Eliminieren von unnötigen
Prozessfolgen ausschlaggebend für BPM. Kostenersparnisse sind nur bei 20% das wichtigste
Nutzungsmotiv. Ganz anders bei den Konzernen: Bei 60% dominiert Kostensenkung als Grund, BPM zu
nutzen.
Dieses Ergebnis verdeutlicht: Offenbar können die meisten Unternehmen noch nicht richtig
einschätzen, wie man BPM effektiv anwendet und welches Potenzial damit verbunden ist – obwohl man
bereits Geld investiert und zum Beispiel Ingenieure die eigenen Prozesse erfassen und beschreiben
lässt. So zeigte sich, dass nur etwa die Hälfte der befragten Unternehmen Prozessteams und einen
Prozessverantwortlicher definieren, die beschriebenen Prozesse schult, diese mit Kennzahlen belegt,
ihre Performance misst und anschließend verbessert.
Die Studie zeigt also, dass etliche Unternehmen noch lernen müssen, wie man einen Prozess zum
Leben erweckt und eine Evolution in Gang setzt, die es nach und nach immer besser, billiger und
effizienter werden lässt. Auch das Verständnis von BPM ist uneinheitlich und zum Teil
unklar.
Worauf kommt es aber letztendlich an? Prozesse machen grundsätzlich eines: Sie sorgen dafür,
dass eingehende Objekte (Dokumente, Material, Dienstleistungen usw.) mittels vorhandener Ressourcen
(z.B. Maschinen, Mitarbeiter, Computersysteme) anhand bekannter Methoden (wie Simulation,
Gesprächsführung, Statistik) unter Einhaltung von Vorschriften (etwa Gesetze, Qualitätsrichtlinien,
Verträge) in ausgehende Objekte transformiert werden, um anschließend an einen Folgeprozess, in
einen Speicher (Datenbank, Zeichnungsarchiv) oder an eine externe Organisation (Kunde, Spediteur,
Rechtsanwalt) weitergeleitet zu werden.
Wie soll man da nur den Überblick behalten, wenn komplexe Prozessfolgen abzubilden sind? Und wie
fein ziseliert man die Prozesse? Soll man wirklich jeden einzelnen Handgriff als Prozess
abbilden?
Kaum jemand behält den Überblick, wenn er mit Flussplänen eines dritten konfrontiert ist.
Deshalb benötigt man eine System, das all diese Objekte, Ressourcen, Methoden, Vorschriften und die
gesamten restlichen Informationen so abbildet, dass ein normal intuitiv veranlagter Mensch nach
einer halben Stunde Einarbeitung sieht, was hier gemeint ist. Zusätzlich muss man verschiedene
Prozesse zu einem Gesamtprozess zusammenfassen und bei Bedarf auch wieder vereinzeln können und
zwar durchgängig über alle Abstraktionsebenen hinweg. Wird eine weitere Ebene erforderlich, die man
vorher noch nicht dargestellt hatte, darf das nicht zu einem kompletten Umbau der
Prozessdarstellung führen. Vielmehr muss der Workflow von dem Durchführenden genau so gelesen
werden können, wie die Übersicht über den Gesamtvorgang vom führenden Manager.
Hier kommt „Omega+“ ins Spiel. Seit etwa vier Jahren entwickelt die Fachhochschule Köln einen
Darstellungsansatz der Universität Paderborn weiter, der das Geforderte bietet. Einfache, aber doch
klare Symbolik, durchgängige Skalierbarkeit vom Firmenprozess bis hin zum abgeleiteten Workflow,
dynamisch erweiterbar mit der Möglichkeit, den jeweiligen Prozess von sehr spartanisch bis fast
schon überladen abzubilden. Noch besser: Das System sieht bereits die Möglichkeit vor, mit Hilfe
einer Balanced Scorecard die vorhandene Prozessleistung zu erhöhen. Damit wird KPV (Kontinuierliche
Prozessverbesserung) zur selbstverständlichen Routine.
Die Basis, um etwa unsinnige Prozessabläufe zu erkennen, ist eine graphische Darstellung von
Prozessfolgen. Natürlich generiert eine graphische Darstellung allein noch keinen neuen Prozess,
aber zumindest zeigt es allen Prozessbeteiligten, wo die Geldvernichtung stattfindet. Entscheidend
für die Geschäftsleitung ist der Return on Invest (ROI), der – wie die Erfahrungen zeigen – meist
schon im ersten Jahr gegeben ist. Danach wird richtig Geld gespart. Und das ist erst der
Anfang.
Tools wie Omega+ werden gebraucht, weil sie die Chance bieten, Prozesse zielgerichtet
voranzubringen. Die Gefahr besteht ohne derartige Werkzeuge, dass BPM in den Kinderschuhen stecken
und folgerichtig der Nutzen der Methode auf der Strecke bleibt. Da die Methode zu viel Potenzial
hat, wäre das fatal. Schließlich investieren laut Befragung 70% der mittelgroßen Unternehmen in
diesem Jahr bis zu 250.000 € und rund 8% sogar bis zu 500.000 €, um ihre Prozesse auf Vordermann zu
bringen. Und dieses Geld soll sich schließlich auszahlen, was es auch tut: Laut der
Unternehmensberatung Gartner lassen sich durch BPM bereits im ersten Jahr Einsparungen von bis zu
20% realisieren, sodass sich die Kosten der BPM-Einführung in dieser Zeit amortisieren. Es ist also
Zeit für den Aufbruch in eine normierte Prozesswelt! Verpassen Sie nicht den Anschluss. Wer jetzt
damit beginnt, die Performance von End-to-End-Geschäftsprozessen – mit abteilungsübergreifenden
Funktionen, Partnern, Lieferanten und Service Providern – zu optimieren, meistert besser komplexe
Businessbeziehungen und damit die aktuellen Geschäftsherausforderungen.
Quelle: perspektive-mittelstand.de
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